Mobbing am Arbeitsplatz

Keiner will es und doch passiert es. Laut einer durch das BMAS in Auftrag gegebenen Studie sind 6,5% der Beschäftigten von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen. Auch wenn diese Zahl auf den ersten Blick nicht besonders hoch erscheint, sind die Auswirkungen nicht zu unterschätzen, – für die Betroffenen und Unternehmen. Durch Mobbing sind die Beziehungen aller daran Beteiligten nachhaltig gestört und das hat sowohl psychische als auch ökonomische Folgen.
Wie konnte das passieren? Ist das schon Mobbing, was hier gerade bei uns stattfindet? Was kann und was muss man da tun ? Diese Fragen stellt man sich im Unternehmen, wenn Konfliktsituationen zu eskalieren drohen. Auf dem 26. Forum Arbeitsmedizin in Deggendorf hat die BG RCI Mobbing zu einem Thema gemacht, Informationsmaterial vorgestellt sowie Arbeitsmediziner und Betriebsärzte dazu befragt.

Mobbing in der betrieblichen Praxis

Auf welche Weise und mit welchen Methoden man gegen Mobbing in der betriebsärztlichen Beratung intervenieren kann, wird anhand dieses Praxisbeispiels aufgezeigt.

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Für die Betriebsärztin Silke Dankesreiter-Ruml ist das Forum für Arbeitsmedizin Deggendorf eine wichtige Plattform für Weiterbildung, Information und Austausch. Im Rahmen eines Netzwerkes betreut sie Betriebe unterschiedlicher Größen und Branchen, und das Thema Mobbing spielt auch in ihrer Beratung eine Rolle.

Dr. med. Silke Dankesreiter-Ruml, Betriebsärztin
Ich betreue einige Betriebe, in denen auch Personen arbeiten aus verschiedenen Kulturkreisen, Migrationshintergrund und habe dort leider feststellen müssen, dass es da tatsächlich unter diesen verschiedenen Gruppen Rivalitäten gibt, die sich dann auch in Form von Mobbing zum Beispiel äußern können. Das jüngste Beispiel, das ich jetzt erlebt habe, war, dass in einem Reinigungsteam Mitarbeiterin A, die schon länger im Betrieb war, eine neue Mitarbeiterin, die aus Afrika stammt, wirklich sehr direkt auch angegangen ist, vor anderen niedergemacht hat, sie vor anderen schlecht gemacht hat, also wirklich schlechte Stimmung gemacht hat im Team und auch sehr herabwürdigende Dinge gesagt hat. Dadurch haben sich zwei Lager gebildet.
Zum Glück war das Team, beziehungsweise die Vorgesetzte des Teams, dann dahingehend sehr aufmerksam, dass sie das beobachtet hat und mit mir dann auch das Gespräch gesucht hat, mich gefragt hat, was könnten wir jetzt machen, weil die Mitarbeiterin, die betroffen war, der ging es natürlich dann nicht allzu gut.

Mit dem AGG, dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, liegt ein wirkungsvolles Instrument vor, mit dem Menschen vor Diskriminierung geschützt werden. Doch wie kann im konkreten Fall Intervention gelingen?

Dr. med. Silke Dankesreiter-Ruml, Betriebsärztin
Das ist in solchen Arbeitsbereichen manchmal etwas schwierig, an die Personen eben heranzutreten und die an einen Tisch zu holen, weil es eben Vorurteile gibt, weil es Stereotypen gibt, weil es sprachliche Probleme gibt und eben auch kulturelle Gründe gibt, wo man einfach sagt, ich mag den nicht, weil der gehört zu einer bestimmten Religion oder zu einer bestimmten Volksgruppe, die lehne ich grundsätzlich ab. Und da muss man dann sich überlegen, wie man sowas auch dann so lösen kann, dass man trotzdem zum gewünschten Ergebnis kommt, nämlich dass das aufhört.

Null Toleranz und Konsequenz sind das eine. Doch es braucht auch Fingerspitzengefühl und Wissen, mit welchen Strategien man vorgehen sollte.

Dr. med. Silke Dankesreiter-Ruml, Betriebsärztin
Es gibt in den Teams natürlich auch entsprechende Sensibilisierungen, dass man Vorgesetzte zum Beispiel anhand solcher Broschüren oder Leitfäden ein bisschen darauf vorbereitet und sensibilisiert, wie man sowas erkennen kann. Wie man feststellen kann, ob in einem Team die Leute gut zusammenarbeiten, ob da jemand ausgegrenzt wird. Ich denke schon, es ist in erster Linie eine Führungsaufgabe, erstens Hinweise ernst zu nehmen, vielleicht aus dem Team, und zweitens natürlich aber auch selber einen Blick darauf zu haben, wie gehen die miteinander um.
Und da sehr früh reinzugehen. Es ist, wie bei vielen Themen in der Betriebsmedizin oder im Betriebsklima, zum Beispiel auch das Thema Suchtprävention, das ist immer so ein bisschen heißes Eisen. Und da trauen sich viele nicht ran, wenn sie dieses Werkzeug nicht haben.
Und da ist es wirklich ganz gut, dass es solche Workshops gibt oder eben Angebote, wo man teilnehmen kann, wo man so eine Schulung auch machen kann, oder eben auch entsprechende Informationsmaterialien, wo man Führungskräfte dahingehend eben schulen und sensibilisieren kann, damit die so ein bisschen die Scheu verlieren. Da sensibel zu sein, das zu bemerken und dann auch anzusprechen. Und auch so ein bisschen zu kennen, was mache ich, wenn ich hier nicht weiterkomme.

Die Tabuisierung bestimmter Themen oder Hilflosigkeit im Umgang damit ist oftmals ein Problem. Wie kann es gelingen, hier weiterzukommen und Lösungen zu finden?

Dr. med. Silke Dankesreiter-Ruml, Betriebsärztin
Ich versuche ein sehr niederschwelliges Angebot da zu machen, sodass die Mitarbeiter, ich bin meistens auch schon jetzt in den Firmen schon viele Jahre, und erfreulicherweise ist es so, dass die meisten Mitarbeiter da auch verstanden haben, dass alles, was bei mir besprochen wird, in den vier Wänden bleibt. Es sei denn, wir machen aus, dass bestimmte Dinge eben weitergegeben werden, wenn es notwendig ist. Und das führt dazu, dass da auch viele Dinge, die vielleicht im Betrieb noch gar nicht so sichtbar geworden sind, weil Mitarbeiter haben oft Scheu, dass sie sich da irgendwo an den Vorgesetzten wenden und so ein bisschen Angst, dass sie damit auch zu mir kommen können.
Und das ist, finde ich, eine sehr schöne Position, die man da auch hat als Betriebsärztin oder als Betriebsarzt, so eine Ansprechpartnerin zu sein für diese Mitarbeiter, wo sie wissen, sie sind im geschützten Rahmen. Und dann bespreche ich mit diesen Personen eben, wie können wir jetzt vorgehen? Sollte ich als Mediatorin sozusagen mich da mal ein bisschen reinbegeben, als Vermittlerin zum Beispiel zwischen Vorgesetzter und dieser Person, die betroffen ist, und das ein bisschen rauszunehmen. Weil, wie gesagt, es ist oft auch ein sprachliches Thema.
Und wenn wir Mitarbeitende haben, die einfach der deutschen Sprache nicht so gut mächtig sind, dann tun die sich auch tatsächlich schwer, das auf den Punkt zu bringen.

Dass Mobbing am Arbeitsplatz nicht auf spezielle Branchen oder Unternehmensformen und Größen begrenzt werden kann, ist unstrittig. Doch ob es zugenommen hat, wird unterschiedlich wahrgenommen.

Dr. med. Silke Dankesreiter-Ruml, Betriebsärztin
Ich denke schon, dass es immer schon da war, dass aber die Sensibilität dafür zugenommen hat, dass man mehr darüber hört. Ich vergleiche das gerne mit dem Thema psychische Erkrankungen. Also auch Depressionen oder Burn-out, was auch immer, gab es natürlich auch immer schon.
Aber die Leute hatten Angst, darüber zu reden oder mit ihren Vorgesetzten offen zu sprechen. Und da hat sich viel getan in den letzten Jahren. Also zum Beispiel durch die Betonung der psychischen Belastungen, dass man die identifizieren muss, dass man Maßnahmen ergreifen muss, um das in den Griff zu kriegen oder besser zu managen.
Und in dem Zuge, finde ich, hat sich auch da viel verändert, dass die Leute sich auch mehr bewusst sind darüber, dass es sowas gibt am Arbeitsplatz und dass es nicht in Ordnung ist. Also dass man es sich aushalten muss. Dass die Leute sagen, also da werde ich schlecht behandelt, das ist nicht okay und ich darf darüber sprechen.

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